21. September Welt-Alzheimertag
- Nui Care

- 20. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Feb.
Von Begriffen zu Begegnungen: Warum Aufklärung über Demenz und Alzheimer Verständnis schafft

Warum der Welt-Alzheimertag so bedeutend ist
Jedes Jahr am 21. September findet weltweit der Welt-Alzheimertag statt. Ziel dieses Aktionstages ist es, auf die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen aufmerksam zu machen. Wir wollen Vorurteile abbauen und über die Erkrankung aufklären. In Deutschland wird der Tag durch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft koordiniert.
Das diesjährige Motto lautet: „Demenz – Mensch sein und bleiben“. Es erinnert uns daran, dass trotz der Erkrankung die Würde, die Persönlichkeit und die Teilhabe der Betroffenen im Mittelpunkt stehen.
📊 Zahlen & Fakten:
Weltweit leben aktuell rund 55 Millionen Menschen mit Demenz. Bis 2050 könnten es über 139 Millionen sein.
In Deutschland sind derzeit etwa 1,8 Millionen Menschen betroffen.
Schätzungen zufolge erkranken jedes Jahr rund 440.000 Menschen neu in Deutschland.
Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit, die ca. 60–70 % aller Demenzerkrankungen ausmacht.
Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer
Viele verwenden die Begriffe Demenz und Alzheimer gleichbedeutend. Dabei gibt es wichtige Unterschiede:
Demenz ist ein Überbegriff für verschiedene Krankheitsbilder. Diese sind mit dem Abbau kognitiver Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache und Orientierung verbunden.
Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz (ca. 60–70 % aller Fälle). Sie entsteht durch Veränderungen im Gehirn. Nervenzellen sterben ab, und die Kommunikation zwischen ihnen wird gestört.
Weitere häufige Demenzformen sind z. B. die vaskuläre Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn entsteht, oder die Lewy-Körperchen-Demenz, die durch Eiweißablagerungen in den Nervenzellen des Gehirns entsteht.
Merke: Alzheimer ist eine Form der Demenz – aber nicht jede Demenz ist Alzheimer.
Häufige Vorurteile über Alzheimer und Demenz
Rund um das Thema Demenz kursieren viele Missverständnisse:
❌ „Menschen mit Alzheimer sind sofort hilflos.“
✅ Tatsächlich verläuft die Erkrankung in Stadien. In frühen Phasen sind Betroffene oft noch selbstständig.
❌ „Alzheimer bedeutet nur Vergessen.“
✅ Auch Sprache, Gefühle und Orientierung sind betroffen. Emotionen, Musik und Routinen bleiben oft lange erhalten.
❌ „Man kann nichts tun.“
✅ Aktivierende Therapien, Bewegung, Biografiearbeit, soziale Teilhabe und ein liebevolles, gleichbleibendes Umfeld verbessern die Lebensqualität deutlich.
Praktische Erfahrung einer Pflegeexpertin mit einem Menschen, der an Demenz leidet
Herr Mayer* verbringt die meiste Zeit auf dem Boden liegend. Er bewegt oft seine Hände über sein Gesicht und reagiert nicht, wenn er zum Essen gerufen wird. Stattdessen macht er einfach weiter. Um einen besseren Zugang zu ihm zu finden, begannen wir mit Biografiearbeit. Wir baten seine Tochter, uns mehr über das Leben ihres Vaters zu erzählen. Dabei erfuhren wir, dass Herr Mayer 45 Jahre als Automechaniker in derselben Werkstatt gearbeitet hatte. Während der Mittagspause rief der Werkstattchef damals „Mahlzeit“ und alle Mitarbeiter versammelten sich zum Essen. Wir setzten diese Situation genau so um – und sofort stand Herr Mayer auf und kam zum Mittagessen.
Mayer ist ein fiktiver Name.
Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Biografiearbeit ist. Indem wir verstehen, in welcher Zeit sich der dementiell Erkrankte aktuell „befindet“, können wir seinen Alltag erleichtern und sinnvoll unterstützen.
Bedeutung für pflegende Angehörige und die Arbeitswelt
In Deutschland übernehmen Millionen Menschen die Pflege von Angehörigen mit Demenz. Oft geschieht dies zusätzlich zu ihrem Berufsalltag. Die Doppelbelastung führt häufig zu Stress und Überforderung.
Hier können Unternehmen aktiv unterstützen:
Flexible Arbeitszeitmodelle und Homeoffice
Verständnisvolle Führungskultur
Angebote für psychosoziale Beratung
Kooperation mit Pflege-Apps oder Pflegediensten
Eine solche Unterstützung hilft nicht nur den Betroffenen, sondern stärkt auch die Arbeitgebermarke und die Bindung der Mitarbeitenden.
Die Rolle der Gesellschaft
Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft das Thema Demenz ernst nehmen. Aufklärung ist der Schlüssel. Wenn wir mehr über Demenz und Alzheimer wissen, können wir besser helfen. Wir können Barrieren abbauen und ein Umfeld schaffen, in dem Betroffene sich wohlfühlen.
Unterstützung durch die Gemeinschaft
Gemeinschaften können viel bewirken. Nachbarschaftshilfe und lokale Initiativen bieten oft Unterstützung für pflegende Angehörige. Diese Netzwerke sind wertvoll. Sie schaffen einen Raum für Austausch und Entlastung.
Fazit
Der Welt-Alzheimertag am 21. September ist mehr als ein Gedenktag. Er ist ein Aufruf, das Thema Demenz offen in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt zu verankern. Aufklärung über den Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer hilft, Missverständnisse abzubauen. So finden wir die richtige Therapie mit dem behandelnden Arzt und können Betroffene besser verstehen.
💜 Demenz betrifft uns alle – als Familien, Kolleg:innen und als Gesellschaft. 💜
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass Menschen mit Demenz Mensch sein und bleiben.
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