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Stellungnahme zum aktuellen Entwurf der Fach-Arbeitsgruppen zur Pflegereform

Gemeinsam vom Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung und Pflege-

Startups erstellt




München, 04.12.2025: Die Fachgruppen haben erste, noch nicht finale Eckpunkte für eine umfassende Pflegereform vorgelegt. Der Entwurf setzt wichtige Signale - etwa bei Prävention, früher Risikoerkennung, Finanzierungsstrukturen und neuen Leistungsansprüchen. Aus Sicht des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung, der Initiative Zukunft Pflegeberatung sowie mehrerer Pflege-Startups, die täglich zur Entlastung von Pflegebedürftigen und Angehörigen beitragen, greifen die Vorschläge jedoch an zentralen Stellen zu kurz. Ohne gezielte Nachbesserungen werden pflegende Angehörige – das tragende Fundament des Pflegesystems - nicht ausreichend gestützt, und eine strukturelle Überforderung bleibt absehbar.


Was im Eckpunkte-Entwurf konkret fehlt - und was jetzt nachgebessert werden muss:

Digitales Entlastungsportal

Zentral fehlen konkrete Lösungsansätze wie ein bundesweites digitales Entlastungsportal, das Ansprüche automatisiert anzeigt, Leistungen direkt buchbar macht und Abrechnungen vereinfacht. Das vorgesehene „Pflege-Cockpit“ bleibt hinter einer solchen Systemlösung zurück. Zielführender sind Leistungen wie der Entlastungsbetrag, der zu einer echten, flexibel nutzbaren Geldleistung wird, die nicht verfallen kann und individuell auf den persönlichen Bedarf eingesetzt werden darf. Wichtig ist dabei die Wahrung einer qualitätsgesicherten und nachvollziehbaren Leistungserbringung durch anerkannte Anbieter.


Digitale Prävention

Auch bei der Prävention bleibt eine Lücke: Trotz erwiesener Wirksamkeit finden digitale Präventionsangebote bislang keinen festen Platz in der Regelversorgung. Es braucht klare Qualitätsstandards, eine verlässliche Finanzierung und einen zentralen Zugang, um digitale Prävention als strukturellen Bestandteil der Pflege zu etablieren.


Pflegeberatung und Wissensvermittlung

Der Entwurf setzt richtige Impulse, indem er Beratung als kontinuierlichen Prozess versteht. Es fehlt jedoch die gesetzliche Verankerung eines hybriden, digitalen Beratungsmodells. Beratung muss präventiv und alltagsnah erfolgen und nicht nur in Krisen - kombiniert aus Pflegeberatung und digitalen Angeboten wie qualitätsgesicherten Online-Pflegekursen (§45 SGB XI), Apps und Telepflege. Diese Formate stärken Kompetenzen, vermeiden Fehler und Notfälle und entlasten Angehörige nachweislich. Dafür braucht es eine klare Integration digitaler Beratung in §45, §7, §7a und §37 III SGB XI sowie rechtssichere Rahmenbedingungen für KI-gestützte Elemente. Zudem sollten anerkannte Beratungsstellen nach §37.7 auch die geplante Zusammenführung der Beratung nach §7a, §37.3 und §45 übernehmen, um eine flächendeckend konsistente und praxisnahe Beratung sicherzustellen.


Häuslicher Infektionsschutz

Ein weiterer blinder Fleck ist der häusliche Infektionsschutz. Trotz hoher Risiken fehlen verbindliche Strukturen für Prävention, Schulung und Ausstattung zu Hause. Ein bundesweites Programm für Infektionsschutz und der Erhalt des Sachleistungsanspruches auf Infektionsschutzprodukte (zum Verbrauch bestimmter Pflegehilfsmittel) sind notwendig, um vermeidbare Verschlechterungen und Krankenhausaufenthalte bei Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zu verhindern.


Einheitliche Anerkennungskriterien für Leistungsanbieter

Die 16 unterschiedlichen Landesregelungen für Anbieter und Angebote zur Anerkennung der Alltags- und Nachbarschaftshilfe behindern die verlässliche Versorgung und Innovation. Notwendig sind bundesweit einheitliche, digitale und transparente Anerkennungsprozesse, damit Leistungen skalierbar werden und Betroffene verlässlichen Zugang erhalten.


Digitalstrategie für Pflegekassenprozesse

Schließlich fehlt eine durchgehende Digitalstrategie für die Prozesse der Pflegekassen. Eine einheitliche digitale Pflegeakte, intelligente Vorprüfungen, Echtzeitinformationen zu Anträgen und Budgets sowie standardisierte Schnittstellen müssen verbindlich festgeschrieben werden. Digitalisierung darf nicht optional sein, sondern muss das strategische Fundament der Reform bilden.



Fazit

Damit häusliche Pflege langfristig tragfähig bleibt, braucht es klare politische Entscheidungen: Entlastungsleistungen müssen vereinfacht, digital zugänglich und bundesweit nutzbar werden. Prävention muss verbindlich verankert werden. Eine moderne, hybride Pflegeberatung mit digitalen Elementen ist unverzichtbar. Der Infektionsschutz im häuslichen Umfeld muss strukturell gestärkt werden. Und bundesweit einheitliche Anerkennungsregeln sowie vollständig digitale Pflegekassenprozesse sind notwendig, um Fragmentierung und Bürokratie abzubauen. Nur dann gelingt eine Reform, die pflegende Angehörige wirklich entlastet und die häusliche Pflege nachhaltig stärkt.


Beteiligte Verbände und Unternehmen: 

Dieses Stellungnahme wurde gemeinsam vom Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung sow

ie den Unternehmen Careship, Gesundheit von Morgen, Helferportal, Juhi, Myneva, Nui Care, Pflege ABC, Pflegebetreuer und Pflege-Dschungel in Zusammenarbeit mit der Initiative Zukunft Pflegeberatung erstellt. Es bündelt unsere Praxiserfahrungen und Expertise, um unsere Position zur Pflege darzustellen und praxisnahe Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu formulieren. Ziel ist es, die Versorgung durch Angehörige langfristig stabil und volkswirtschaftlich tragfähig zu gestalten und den Diskurs konstruktiv zu unterstützen.


Gemeinsam erstellt: Spitzenverband Digitale GesundheitsversorgungCareship, Helferportal, Juhi, Myneva, Nui Care, Pflege ABC, Pflegebetreuer, Pflege-Dschungel und Initiative Zukunft Pflegeberater

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